Wacker-Hempel, Andrea

Andrea Wacker-Hempel gibt den Dietzenbacher Grünen seit vielen Jahren ein Gesicht. Sie war lange Zeit als Fraktionsvorsitzende tätig. Seit vergangenem Jahr ist sie nun Stadtverordnetenvorsteherin und somit Erste Bürgerin der Stadt. Beruflich ist sie als Geschäftsführerin bei der GAK Hessen sowie als Kommunalreferentin tätig.

Was bedeutet es für Sie, Stadtverordnetenvorsteherin in Dietzenbach zu sein?

Es ist eine große Ehre, die Stadt und die kommunalpolitisch engagierten Menschen zu vertreten.

Können Sie einmal die Aufgaben bei der GAK umreißen?

Die GAK ist die kommunalpolitische Vertretung der GRÜNEN und Alternativen in den
Kommunalvertretungen – so lautet der Titel. Die Aufgabe der GAK ist es, für alle Fragen der
ehrenamtlichen Politiker:innen zur Verfügung zu stehen. Außerdem organisiere ich die
kommunalpolitischen Weiterbildungen für unsere GRÜNEN und Alternativen.
Das geht von Rhetorikkursen, über Social Media, bis zu Baurecht oder Stellplatzfragen. Nicht zu
vergessen Moderationen und wenn nötig, auch Mediationen zu vermitteln.
Eine weitere wichtige Aufgabe: Fragen zu kommunalen Rechten und Satzungen (versuchen) zu
beantworten.

Wieso sind Sie zu den Grünen gegangen?

Sie waren die Ersten, die gefragt haben!

Seit wann sind Sie in Dietzenbach?

Seit 1980

Wo kommt Ihre Familie ursprünglich her?

Ich komme aus Stuttgart – Meine eigene Familie lebt schon immer dort.

Warum sind Sie nach Dietzenbach gekommen?

Mein Mann wohnte hier

Warum sind Sie in Dietzenbach geblieben?

Wir haben in Dietzenbach unseren Lebensmittelpunkt gefunden und fühlen uns hier sehr wohl.

Was gefällt Ihnen an Dietzenbach am meisten?

Die Menschen! Dietzenbach!
Das kleine Städtchen im GRÜNEN mit der Nähe zur Großstadt Frankfurt, die Nähe zum Rheingau, zum
Spessart, Odenwald, Taunus und natürlich auch unsere Dietzenbacher Feste und das Kulturangebot.
Ich bin froh in einer Stadt zu leben, in der sich so Viele so unterschiedlich und vielfältig engagieren.

Was sollte in Dietzenbach geändert werden?

Wir sollten uns z.B. Gedanken machen,
● wie wir Wohnraum schaffen, ohne das letzte Grün zuzubauen;
● wie wir es schaffen, dass in unseren großen Straßen nicht noch mehr Autos fahren;
● dass nicht alles zugeparkt wird;
● wie Fußgänger:innen, Radfahrer:innen und Autos den Straßenraum gemeinsam nutzen
können;
● wie wir Betriebe ansiedeln können, die Mitarbeiter:innen mitbringen, neue einstellen und
Gewerbesteuer bezahlen;
● wie wir Plätze und Räume schaffen für Kinder, Jugendliche …
(unvollständige Aufzählung)

Was fehlt Ihnen in Dietzenbach?

z.B. Bänke und Begegnungsplätze

Wo gehen Sie in Dietzenbach gerne essen?

überall mal …. . Das kulinarische Angebot in Dietzenbach ist vielfältig.

Welche Seite kennen die Dietzenbacher von Ihnen noch nicht?

Die Seite, die meine Familie und meine Freundinnen kennen – die ganz private!

Von welcher Person hätten Sie gerne einen Steckbrief und warum?

Von einer Frau, die aus der Ukraine flüchten musste und von einer Frau, die aus einem anderen Land
und anderen Gründen flüchten musste.

Mehr Stoff

Butterweck, Kornelia

Privat und Beruf

Geboren am 23.2.1956 in Wolfhagen/Nordhessen als erstes Kind der Eheleute Edelgard und August Schmidt. Aufgewachsen in Volksmarsen/Nordhessen mit zwei Geschwistern Petra (*1957) und Thomas (*1963).

Nach dem Besuch der Volksschule in Volkmarsen, Besuch der Wilhelm-Filchner-Gesamtschule in Wolfhagen mit Abschluss Abitur.

Danach erfolgte 1976 eine zweijährige Ausbildung an der Sekretärinnen- und Sprachen-Fachschule in Baden-Baden.

Am 1. August 1978 Anstellung bei der MDSI (Manufacturing Data Systems International, Deutschland GmbH) anfangs al Sekretärin. Zuletzt als Account Administratorin.

Am 9. Juli 1978 Hochzeit mit Helmut Butterweck. 1981 Geburt des Sohnes Christian und 1982 Geburt des Sohnes Stephan.

1985 Einzug in das selbst erbaute Haus in Steinberg.

1988 bis 1989 Umschulung zur Pharmareferentin.

1989 tätig als Pharmareferetin bei der Mundipharma in Limburg.
Seit 1991 bis zur Rente (28 Jahre) bei der der Ciba-Geigy (die heutige Novartis Pharma GmbH) tätig.

Politik und Ehrenamt

Mit dem damaligen Mieter, Stephan Gieseler, der später Bürgermeister wurde, entwickelte sich eine Freundschaft. Dieser überredete Kornelia Butterweck in die CDU einzutreten.

2001 Einzug in das Startparlament als erste Nachrückerin. Engagement am Runden Tisch – für ein humanes Miteinander.

2005 Gründungs- und Vorstandsmitglied der Dietzenbacher Tafeln.

2006 nach der Kommunalwahl Stadtverordnetenvorsteherin. 2011 erneut zur Stadtverordnetenvorsteherin gewählt. Mit dem Amt der Stadtverordnetenvorsteherin auch damit Leiterin des Runden Tisches.

Initiatorin des Boxprojektes Dietzenbach.

Leitung der interfraktionellen Arbeitsgruppe Integration.

Vorsitzende der Arbeitsgruppe Integration, welche das Integrationskonzept für die Kreisstadt Dietzenbach erarbeitet hat.

Einsatz für die Städtepartnerschaft Oconomowoc/Wisconsin.

Zwischen 2016 und 2021 politische Pause.

2019 Wahl zur ersten Vorsitzenden vom Förderverein “Wohnverbund Dietzenbach/Rödermark” Behindertenwohnanlage im Kindäckerweg.

Seite 2019 stellvertretende Schiedsfrau.

2021 wieder in die Stadtverordnetenversammlung gewählt.

Mitgliedschaft in Vereinen

  • VSG Dietzenbach
  • Dietzenbacher Tafel
  • Tell Schützen
  • Seniorenhilfe Dietzenbach
  • VDK Dietzenbach
  • VIB Dietzenbach
  • Deutsches Rotes Kreuz
  • Tanzgarde Dietzenbach
  • Förderverein der Behindertenwohnanlage in Dietzenbach

Aus der Offenbach Post vom 14.01.2022:

Christdemokratin Kornelia Butterweck ist zu Gast im Erzählcafé des Vereins „Caglayancerit“

Sie bringt das nach außen, was Dietzenbach im Innersten ausmacht: Die Initiative „Dietzenbacher Menschen“ des Vereins „Caglayancerit“ trägt Informationen zu Bürgern zusammen, die Spuren hinterlassen haben. 51 Namen umfasst die Liste im Internet bisher. Darunter Verstorbene wie die ehrenamtliche Stadträtin Anja Schäfer und immer noch Aktive wie der Tanzlehrer Winfried Senkbeil.

Dietzenbach – „Wir haben Menschen in der Stadt, die dazu beitragen, dass Dietzenbach so ist, wie es ist“, sagt der Initiator des Projektes, Cengiz Hendek. Regelmäßig organisiert der Verein auch ein Erzählcafé. Als neuster Gast gesellte sich dort die ehemalige Stadtverordnetenvorsteherin Kornelia Butterweck zu Moderator Hendek.

Mehrere Stationen einer politischen Karriere hat die Christdemokratin in Dietzenbach bereits erlebt. Lange Jahre war sie Erste Bürgerin, noch heute sitzt sie als Abgeordnete im Parlament. Ehemann Helmut Butterweck vertritt derzeit die CDU im Magistrat. Zur Politik gebracht hat die gebürtige Nordhessin Ex-Bürgermeister Stephan Gieseler. „Er hat bei uns im Haus gewohnt und wir haben ihn bei seinem ersten Bürgermeisterwahlkampf bereits unterstützt“, erzählt sie. Eine Aussage, die Hendek zu einer scherzhaften Replik veranlasst: „Dann hat dieses Haus ja schon einiges hervorgebracht, von einem Bürgermeister über ein Magistratsmitglied bis zu Stadtverordneten und einer Stadtverordnetenvorsteherin.“

Seit 1978 leben die ausgebildete Fremdsprachensekretärin und spätere Pharmareferentin und ihr Mann in Dietzenbach. Zuerst in der Auestraße, später – mit den beiden heute erwachsenen Söhnen – in einem Haus in Steinberg. Mittlerweile sorgen vier Enkelkinder dafür, dass es der Großmutter, die nun Rentnerin ist, nicht langweilig wird.

Sie habe gerade in ihrer Zeit als Stadtverordnetenvorsteherin das Dietzenbacher Leben sehr schätzen gelernt, sagt Butterweck. „Das war eine Bereicherung, wir haben großartige Vereine, liebenswerte Menschen und tolle Feste.“ Mitinitiieren konnte sie Projekte wie den „Runden Tisch für ein humanes Miteinander“ und das Boxprojekt.

Weniger gerne erinnert sich Butterweck an die Phase zurück, als sie als Bürgermeisterin kandidierte und die Stichwahl zugunsten von Jürgen Rogg ausging. „Natürlich war ich enttäuscht, da rollen schon ein paar Tränen“, gesteht sie ein. Aber sie habe hohen Respekt vor dem demokratischen Prozess und sei auch nicht der Typ, der den Kopf in den Sand steckt. „Ich habe dann mein Mandat in der Stadtverordnetenversammlung weiter ausgeübt.“ Auch im vergangenen Jahr haben die Dietzenbacher sie erneut ins Parlament entsandt.

Und als wäre das politische Engagement nicht genug, hat sich Kornelia Butterweck bis vor Kurzem im Vorstand des Vereins für Sport und Gesundheit engagiert und leitet seit zwei Jahren den Förderverein für den Wohnverbund Dietzenbach/Rödermark der Behindertenhilfe in Stadt und Kreis Offenbach. „Das war gerade zu Anfang der Pandemie nicht einfach, denn wir sind auf Kontakte und Spenden angewiesen“, sagt sie. Indes bleibe immer noch Zeit für Reisen, eine der Leidenschaften des Ehepaars. Auch wenn Corona derzeit Grenzen setzt, so sind die Butterwecks schon viel in der Welt herumgekommen und haben oft die einfachsten Verhältnisse vor Ort erlebt. „Es ist immer wieder erschreckend festzustellen, auf welch hohem Niveau wir hier leben“, zieht die ehemalige Stadtverordnetenvorsteherin Bilanz.

Aus Dietzenbach wegzuziehen sei indes bis heute nie infrage gekommen, betont Butterweck. „Wir leben hier sehr gut und ich schätze etwa den Steinberger Wald, da kann ich richtig abschalten“, sagt sie. Als Hendek fragt, was man denn in der Stadt verbessern könnte, muss sie nicht lange überlegen: „Ich mache mir Sorgen um die Kinder und Jugendlichen, vor allem um die, die keine andere Idee mehr haben, als Steine zu werfen. Die müssen wir wieder in die Gesellschaft einreihen und auch die Eltern dabei mitnehmen.“ (Von Barbara Scholze)

Hier geht es zum gesamten Artikel:
https://www.op-online.de/region/dietzenbach/eine-konstante-der-dietzenbacher-politik-91234852.html

Wolf, Martin

Martin Wolf war der erste SPD Bürgermeister von Dietzenbach. 1946 bis 1948 hat er die Geschicke von Dietzenbach geleitet.

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs wurde Martin Wolf durch die amerikanische Militärregierung eingesetzt und am 23.03.1946 regulär zum Bürgermeister gewählt.


Folgende Informationen über Martin Wolf stammen von seiner Enkelin Ellen Güttler (Interview am 16.3.2022):

Martin Wolf wurde am 10.09.1885 geboren und ist am 1.11.1964 gestorben. Mit seiner Ehefrau hatte er zwei Töchter (Lina und Elisabeth) und einen Sohn (Kurt). Die älteste Tochter heiratete später Philipp Wurm (geboren 1913). Dies sind auch die Eltern von Ellen Güttler.
Gewohnt hat die Familie Wolf in der Karl Str. 14. Das Haus wurde 1914 erbaut, in dem selben Jahr hat die Eisenbahn den Personenverkehr aufgenommen.

Martin Wolf war einer der ersten Mitglieder der SPD in Dietzenbach. Die SPD Dietzenbach wurde offiziell 1898 begründet. Vom Beruf war er Feinmechaniker und hat in Frankfurt bei Voigt & Haeffner gearbeitet. Da er eine Begeisterung für die Reparatur von Feinmechanik hatte, hat er gerne Nähmaschinen repariert und zu seinem Hobby, den Fahrrädern, gefunden.

Unvergessen ist, dass er bei einem Bombenalarm von Frankfurt nach Dietzenbach auf den Schienen nach Hause gelaufen ist.

Es war ein Familienmensch. Nachdem sein Schwiegersohn 1944 (Philipp Wurm, der Vater von Ellen) im Krieg war, hat er in einem Haushalt mit seiner Frau, seiner Tochter und seiner Enkelin gelebt. Er hat viel Zeit mit seiner Enkelin verbraucht. Er war für Sie ein Großvater, ein Ersatzvater und ein Lehrer. Gemeinsam haben Sie im Hessischen Rundfunk den “Quiz zwischen London und Frankfurt” verfolgt und erfolgreich die Fragen beantwortet. Auch hat er seiner Enkelin Mühle spielen gelehrt. Er war ein geduldiger Mann. Gerne hat er in der Linde Skat gespielt.

Erst 1948 kam der Schwiegersohn aus der russischen Gefangenschaft zurück.

Martin Wolf war auch Naturverbunden und hatte ein großes Feld in Steinberg. Dort pflegte er seine 139 Pfirsichbäume. 1940 bei einer kalten Nacht sind die Pfirsichbäume jedoch verendet. Anschließend hat Kurt Wolf verschiedene Obstbäume (u.a. Äpfel und Zwetschgen) gepflanzt.

Aufgrund seiner politischen Tätigkeit kam Martin Wolf während des zweiten Weltkrieges in das KZ Dachau. Seiner Tochter Elisabeth ist es gelungen ihn dort wieder rauszuholen. Die Umstände wie er rauskam sind unbekannt, darüber wurde nie gesprochen. Fakt ist jedoch, dass Martin Wolf nach der Zeit im KZ sich stark verändert hat. Aus einem redegewandten und grundfröhlichem Mann, wurde ein schweigsamer und zurückgezogener Mensch. Bereits im ersten Weltkrieg hat er große Verletzungen an den Waden gehabt. Nach der Zeit im KZ war auf einen Laufstock angewiesen. Diesen Laufstock kann man auch auf den Fotos entdecken.

Über die Erlebnisse im Krieg wurde in der Familie nie gesprochen. Weder Martin Wolf noch sein Schwiegersohn Philipp Wurm sprachen über den Krieg oder die Gefangenschaft. Aber es war sichtbar, dass es eine sehr schreckliche Zeit gewesen sein muss.

Erst viele Jahre später erzählte Lina Weilmünster (Ehefrau von Richard Weilmünster), dass Martin Wolf geholfen hat Flugblätter während der Kriegszeit zu produzieren und zu kleben.

Als Martin Wolf Bürgermeister wurde, wurde auf seinem Hof in der Karlstr. 14 eine hohe Fichte gesetzt. Es war früher eine Tradition, dass bei einem Bürgermeister ein geschmückter Baum gesetzt wurde.

Während seiner Bürgermeisterzeit hat Martin Wolf die Arbeit und das Private strikt getrennt. Zu Hause wurde nicht über die Arbeit gesprochen.

Nach dem Krieg kamen Flüchtlinge nach Dietzenbach. Die Familie Wolf hat die Familie Überreiter aufgenommen (Ehepaar mit 2 Töchtern), welche 3 Jahre lang bei Ihnen gelebt haben. Aufgrund der Aufnahme musste Ellen ihr großes Kinderzimmer aufgeben. Als ob das nicht genug war, wurde Frau Überreiter ihre Klassenlehrerin.

1949 kam der Bruder von Ellen zur Welt. In der Karlstr. 14 wurde es zu eng, und so zogen Elisabeth und Philipp Wurm mit ihren Kindern nach Heusenstamm.

Festzuhalten ist, dass die Familie Wurm eine große Familie in Dietzenbach war. Die Tochter Lina hat den einzigen Katholiken in Dietzenbach (Wiegand) geheiratet, dieser hat bei der Bahn als Einweiser gearbeitet. Die Ehe zu einem Katholiken war damals sehr problematisch. Im Kontrast zu Heusenstamm waren in Dietzenbach früher fast alle Christen Protestanten.

Heinrich Steinheimer war ein Freund der Familie und der Patenonkel von Ellen. Dieser hat als Beamter in Darmstadt gearbeitet und stand inoffiziell und ehrenamtlich vielen Dietzenbachern als Rentenberater zur Verfügung.

Niemann, Lothar

  • Lothar Niemann war Gründungsmitglied der Dietzenbacher Grünen im Jahr 1980
  • Sechs Jahre lang Erster Stadtrat (von 1989 bis 1995)
  • Fraktionsvorsitzender der Grünen
  • unabhängiger Bürgermeisterkandidat

Aus der Offenbach Post vom 27.04.2010:

Niemann ruft Wählerinitiative ins Leben

Dietzenbach (cz) ‐ Grünen-Chef Lothar Niemann will zur Kommunalwahl 2011 eine neue Wählerinitiative ins Leben rufen.

Eine Gruppe engagierter Bürger und die Grünen laden deshalb für Dienstag, 4. Mai, 20 Uhr, zu einer Informationsveranstaltung ins Bürgerhaus (Offenbacher Straße 11) ein. Etwa 300 persönlich adressierte Einladungsschreiben werden zusätzlich in den nächsten Tagen in der Kreisstadt verteilt.

„Wir wollen, dass sich viele Dietzenbacher engagieren, denen unsere Stadt am Herzen liegt. Deshalb laden wir zu einem ersten Treffen ein, um die Themen zu sammeln, die auf den Nägeln brennen“, so Gisela Kieß aus der Gruppe engagierter Bürger.

„Der Ortsverband der Grünen geht damit ein Experiment ein, das in Kontrast zu den Zellteilungen anderer Parteien steht“, meint Niemann, der bei der Bürgermeisterwahl im September 23,1 Prozent der Stimmen erreicht und damit die Stichwahl verfehlt hatte.

„Wir wollen Menschen zusammenführen und gemeinsam für unsere Stadt arbeiten.“ Bei den kommenden Treffen soll ein Wahlprogramm erarbeitet werden. Ein ausführlicher Bericht ist in der Printausgabe der Offenbach-Post am Mittwoch zu lesen.

Hier geht es zum original Artikel:
https://www.op-online.de/region/dietzenbach/niemann-ruft-waehlerinitiative-leben-735288.html


Aus der Frankfurter Rundschau vom 23.04.2009:

BÜRGERMEISTERWAHL DIETZENBACH

Grüner tritt als Unabhängiger an

Der Dietzenbacher Grünen-Chef Lothar Niemann verzichtet im Bürgermeisterwahlkampf aufs Parteilogo. Als Unabhängiger hofft er auf parteiübergreifende Unterstützung. Von Maurice Farrouh

Lothar Niemann, Fraktionsvorsitzender der Grünen, will bei der Bürgermeisterwahl nicht für seine Partei, sondern als unabhängiger Kandidat antreten. Das teilt der kürzlich gegründete Unterstützerkreis Niemanns mit.

Niemann erfahre über alle Parteigrenzen hinaus große Unterstützung in Dietzenbach und werde deshalb als unabhängiger Kandidat ins Rennen gehen, sagte Sprecher Jens Hinrichsen der Frankfurter Rundschau. Niemann (61) war von 1989 bis 1995 bereits Erster Stadtrat und Kämmerer gewesen.

Er hatte im März erklärt, bei der Bürgermeisterwahl antreten zu wollen und angekündigt, er werde sich auch bei anderen Parteien um Unterstützung bemühen. Neben Niemann treten Rainer Engelhardt (SPD) und Kornelia Butterweck (CDU) an. Amtsinhaber Stephan Gieseler (CDU) hört auf und wechselt zum Hessischen Städtetag.

90 Unterschriften nötig

Der Unterstützerkreis aus “parteipolitisch ungebundenen Bürgern” will sich am Wahlkampf beteiligen und die nötigen Unterschriften sammeln, um Niemann als unabhängigen Kandidaten aufstellen zu können. Dazu ist die doppelte Menge der Sitze im Stadtparlament nötig, das sind 90 Unterschriften.

Hinrichsen ist sicher, dass es kein Problem ist, diese zusammenzutragen. “Die Gruppe der Unterstützer hinter Lothar Niemann ist weit größer als das Dutzend, dass bei der ersten Sitzung dabei war.”

Niemanns grüne Fraktionskollegen haben indes kein Problem damit, wenn ihr Vorsitzender im Wahlkampf auf das Parteilogo verzichtet. “Das könnte helfen, um parteiübergreifende Unterstützung zu mobilisieren”, so der Grünen-Abgeordnete Günter Steinheimer.

Hier geht es zum ursprünglichen Artikel:
https://www.fr.de/rhein-main/kreis-offenbach/gruener-tritt-unabhaengiger-11510218.html


Aus der Offenbach Post vom 06.05.2010:

„Bester Dienst, den ich erweisen kann“

Dietzenbach ‐ Er gehört zu den Gründungsmitgliedern der Dietzenbacher Grünen im Jahr 1980, war sechs Jahre lang Erster Stadtrat (von 1989 bis 1995), und zuletzt trat er als unabhängiger Kandidat zur Bürgermeisterwahl an, wo er – für einige sicher überraschend – mit 23,1 Prozent der Wählerstimmen nur auf Platz drei landete. Von Barbara Scholze und Nina Beck

Jetzt ist Lothar Niemann von allen seinen Ämtern zurückgetreten. Den langjährigen Parteikollegen – Stadtverordneter Günter Steinheimer etwa gehört wie er zum Team der ersten Stunde – hat Niemann bereits zum 1. Mai mitgeteilt, dass er sein Stadtverordnetenmandat sowie den Vorsitz von Fraktion und Ortsverband der Grünen mit sofortiger Wirkung niederlegt.

Damit zieht er unter anderem die Konsequenzen aus dem gescheiterten Versuch, engagierte Bürger und Grüne in einer Wählerinitiative für die Kommunalwahl 2011 zusammenzubringen. „Es war ein Experiment – es hat nicht ganz geklappt“, sagte Niemann gestern auf Anfrage. Wie berichtet, waren einige der Gruppenmitglieder zutiefst verärgert darüber, dass sich der Grünen-Chef ihrer Ansicht nach unter anderem in Presseberichten in den Vordergrund gedrängt habe – die Initiative löste sich auf, bevor sie richtig aktiv geworden war.

Frühere Anschuldigungen, Presseberichte seien mit verantwortlich für die Auseinandersetzungen, nahm Niemann nun zurück. Es seien „keine wahrheitswidrigen Äußerungen“ gefallen, trotzdem habe die Berichterstattung „bei einigen von uns Verärgerung hervorgerufen“. Es sei jedoch nicht seine Absicht gewesen, sich in den Vordergrund zu spielen.

Gleichwohl müsse er „die Verantwortung übernehmen“, so Niemann. Die Entscheidung, sich aus der Stadtpolitik zurückzuziehen, habe ihn „einige schlaflose Nächte gekostet“. Er sei jedoch zu der Einstellung gelangt, dass es „keinen Sinn“ mehr habe. „Ich schade den Grünen nur. Dass ich zurücktrete, ist der beste Dienst, den ich ihnen erweisen kann.“ So gebe es die Chance auf einen Neuanfang. Zuletzt habe er „kein Vertrauen mehr zu der Gruppe“ gehabt, „und die Gruppe kein Vertrauen mehr zu mir“, meint Niemann.

„Wir akzeptieren seine Entscheidung.“

„Der Schritt hat mich in seiner Endgültigkeit erstaunt, aber nicht wirklich überrascht“, kommentiert Andrea Wacker-Hempel, Fraktionsmitglied der Grünen und langjährige politische Weggefährtin Niemanns. Es sei schade, dass eine lange kommunalpolitische Laufbahn so abrupt zu Ende gehe. „Aber wir akzeptieren seine Entscheidung.“ Seit der Bürgermeisterwahl habe es Überlegungen zur künftigen Ausrichtung der Grünen gegeben, auch unter dem Gesichtspunkt, wie die Zusammenarbeit mit den Unterstützern aus Niemanns Wahlkampf aussehen könne. „Aber es gab dazu keine endgültige Entscheidung, die wäre erst in unserer Mitgliederversammlung am 17. Mai gefallen.“ Der Ortsverband habe derzeit zwölf Mitglieder, ergänzt Wacker-Hempel.

Bei all den Diskussionen habe Niemann vielleicht das Gefühl gehabt, nicht mehr die Unterstützung zu erhalten, die er brauchte. Wer für Niemann im Parlament nachrücke, werde derzeit über die Stadtverwaltung geklärt. „Dann muss sich die Fraktion neu aufstellen“, kündigt Wacker-Hempel an.

„Die Zeit mit Lothar Niemann darf man eine Ära nennen“, sagt der Grünen-Landtagsabgeordnete und ehemalige Dietzenbacher Stadtrat Frank Kaufmann, der dem Ortsverband angehört und mehr als 30 Jahre mit Niemann zusammen gearbeitet hat. „Er hat viel für die Stadt und die Grünen getan“, betont er und bedauert, dass Niemann „ohne Rücksprache die Konsequenzen gezogen“ habe. In seinem Wahlkampf habe sich Niemann vielleicht zu sehr auf die „harten“ Themen Finanzen und Spessartviertel fokussiert. Dabei sei vor allem seine Einstellung zu letztgenanntem Thema nicht ohne Fragen bei den Grünen geblieben. „Wir haben seine Aktivitäten mit kritischer Solidarität begleitet.“

Hier geht es zum vollständigen Artikel:
https://www.op-online.de/region/dietzenbach/bester-dienst-erweisen-kann-749955.html


Aus der Frankfurter Rundschau vom 06.05.2010:
Niemann tritt zurück

Dietzenbachs Grünen-Chef Lothar Niemann ist überraschend zurückgetreten. Auch sein Stadtverordnetenmandat hat er niedergelegt. Der 62-Jährige war seit 1981 in der Lokalpolitik aktiv.

Noch vor wenigen Tagen wollte er die Grünen mit einer Gruppe engagierter Bürger um Gisela Kieß zu einer neuen Kraft in Dietzenbach zusammenführen. Nun hat Lothar Niemann (62) seinen Rücktritt als Grünen-Vorsitzender erklärt. Auch das Stadtverordnetenmandat habe er zurückgegeben, teilt Niemann mit.

Er wolle den durch einen Artikel in der Lokalpresse entstandenen Schaden von den Grünen wegnehmen, sagte er der Frankfurter RundschauR. Weil das Vorhaben, eine neue Gruppe zu gründen, darin quasi als ein Alleingang von ihm dargestellt worden sei, hätten zentrale Leute nicht mehr mitarbeiten wollen. Es habe auch parteiinterne Kritik gegeben. Niemann und Kieß sagten das Treffen ab.

Dieser Schritt tue ihm weh, sagte Niemann. Er habe die vergangen Nächte nicht gut geschlafen. Niemann war unterbrochen von einer Amtszeit als Erster Stadtrat seit 1981 Stadtverordneter. Bei der jüngsten Bürgermeisterwahl kam er auf 23 Prozent. Er setzte sich etwa für einen Teilabriss des Spessartviertels ein.

Seine Fraktionskollegin Andrea Wacker-Hempel bedauerte Niemanns Rücktritt. Er sei überraschend, aber nach der Absage der Veranstaltung auch nicht völlig unerwartet. Mitgliederversammlung der Grünen ist am 17. Mai.

Germer, Christel

  1. Wo engagieren Sie sich überall (Verein, Kirchen, Kunst, Politik,
    Wirtschaft, …)

    Ich engagiere mich gerne in meinem Umfeld, wenn ich glaube, dass ich etwas bewegen kann. Der Start war in der Schulpolitik als Sprecher der AG Dietzenbacher Schulen (diese 17 Jahre waren ziemlich erfolgreich für Dietzenbach: kleinere Klassen, zusätzliche Lehrer, eine Vorklasse an jeder Grundschule, Schülerbibliotheken an ALS und HMS, Hausaufgabenhilfe an ALS und HMS, bilingualer Unterricht an HMS und ERS und Bauprojekte mit und ohne PPP etc.). Dann in der Kommunalpolitik, als Stadtverordnete, Magistratsmitglied und dann bis März 2021 als Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung . Ich war nicht unmaßgeblich an der Reaktivierung des Jugendbeirates in Dietzenbach beteiligt, arbeite noch mit beim Integrationskonzept und in den Ausschüssen. Ich bin im Vorstand der Europa Union im Kreisverband, wofür ich bis zum Ausbruch der Corona Pandemie Schüler- und Bürgerfahrten zu den europäischen Institutionen organisiert habe, sowie im Vorstand der Europa Union Hessen. Ich bin Vorsitzende der Seniorenunion Dietzenbach und auch im Vorstand von Kreis und Land dieser Organisation. Über die Seniorenhilfe habe ich mich als Nachhilfelehrerin für Kinder im JUZ – später Bildungshaus – eingebracht. Im Verein für internationale Beziehungen (ViB) kümmere ich mich um die Städtepartnerschaft mit Oconomowoc (USA). Vélizy in Frankreich liegt mir auch sehr am Herzen. Ich bin Mitglied der VHS, eine Zeit lang war ich da auch Vorstandsmitglied. Für die Bedürftigen der Stadt setze ich mich ein als Vorsitzende der Dietzenbacher Tafel, die ich 2005 aufgebaut habe und immer noch leite. Natürlich alles nur gemeinsam mit vielen engagierten und motivierten Mitstreitern.
  2. Seit wann sind Sie in Dietzenbach?
    Ich lebe mit meiner Familie seit 1972 in Dietzenbach, d.h. nunmehr seit 50 Jahren.
  3. Wo kommt Ihre Familie ursprünglich her?
    Nicht meine Familie ist hier „eingewandert“ sondern nur ich, weil ich hier einen guten Arbeitsplatz gefunden habe. Ich bin Österreicherin, in Wien geboren und aufgewachsen. Mein Mann kommt aus Oberhessen. Wir leben – wie gesagt – seit 50 Jahren in Dietzenbach, ich habe aber noch „einen Koffer in Wien“ , wohin wir auch ganz oft fahren.
  4. Warum sind Sie nach Dietzenbach gekommen?
    Mein Mann und ich sind von Frankfurt nach Dietzenbach gezogen, weil die Mieten in Frankfurt zu teuer waren, mein Mann hat zu dieser Zeit wieder studiert.
  5. Warum sind Sie in Dietzenbach geblieben?
    Geblieben sind wir in Dietzenbach, weil wir im Grünen wohnen, mit aller Infrastruktur, die man für eine junge Familie braucht, trotzdem aber die Nähe zu Frankfurt, Hanau, Darmstadt und Offenbach hat. Dies war uns wichtig, weil wir nicht nur die Einkaufsmöglichkeiten, sondern vor allen Dingen die kulturellen Angebote der Städte genutzt haben und auch immer noch nutzen. Seit wir die S-Bahn haben ist vieles noch einfacher.
  6. Was gefällt Ihnen an Dietzenbach am meisten?
    Mir gefällt, dass man in Dietzenbach alles weitgehend zu Fuß erreichen kann. Wir haben hier unsere Kinder großgezogen, haben über die Jahre viele Menschen hier kennen und schätzen gelernt, ich habe mich in der Gemeinde immer wieder eingebracht, viel Anerkennung meiner Arbeit erfahren, das macht mich zufrieden.
  7. Was sollte in Dietzenbach geändert werden?
    Die beiden sozialen Brennpunkte sollten entzerrt werden. Es sollte nicht möglich sein, mit der Not der hierherkommenden Menschen noch Geld zu verdienen, indem man möglichst viele Menschen auf engem Raum unterbringt. Hier gibt es leider fragwürdige Strukturen, die mit unseren Gesetzen nicht beherrschbar sind. Viele Dietzenbacher, äußerst hilfsbereite Menschen, fühlen sich wie ein Hamster im Rad. Kaum hat man ein Problem ein bisschen verbessert, kommt das nächste nach. Dietzenbach sollte nicht länger eine Art „Ankunftsstadt“ sein. Menschen die hier Arbeit und Wohnung gefunden haben, sollten auch hier bleiben.
  8. Was fehlt Ihnen in Dietzenbach?
    Eigentlich fehlt mir nicht viel in Dietzenbach. Ein gemütliches Kaffeehaus wäre nicht schlecht. Außerdem sollte, auch von der Kommunalpolitik her immer für eine ausreichende Versorgung mit niedergelassenen Ärzten gesorgt werden. Kinderarzt, Augenarzt etc. Hier sollte die Gemeinde unbedingt rechtzeitig Anreize bieten.
  9. Wo gehen Sie in Dietzenbach gerne essen?
    Wir gehen nicht sehr viel essen, mein Mann meint ich koche gut! Aber ich mag die Dietzenbacher Gastronomie, man kann immer etwas finden.
  10. Gibt es sonst etwas Besonderes über Sie was Sie erzählen wollen?
    Es gibt aus meiner Sicht nicht so viel, was ich über mich erzählen könnte, was von allgemeinem Interesse wäre. Ich liebe Reisen und Musik, eher die klassische Variante, aber auch Jazz, Freunde treffen, Wandern und Lesen, wofür nicht immer ausreichend Zeit bleibt. Das Wichtigste für mich sind mein Mann, meine Kinder und Enkelkinder. Aus meiner Erfahrung mit jungen Menschen im Bildungshaus bin ich doch immer wieder bestätigt worden, dass auch der Einsatz für Einzelne lohnenswert ist. Und wenn mir heute ein junger Mensch sagt, schau her was aus mir geworden ist, weil Du mir geholfen hast, macht mich dies sehr glücklich. Ich bin fest davon überzeugt, dass Bildung vor Armut schützt. Wobei nicht jeder Mensch Universitätsprofessor werden muss! Ein guter Handwerker, der sein Gebiet beherrscht, ist genauso wichtig.
  11. Von welcher Person hätten Sie gerne einen Steckbrief und warum?
    Es gibt bestimmt viele Menschen in unserer Stadt, die sich engagieren und durch Ihren Beruf, besondere Fähigkeiten oder uneigennützigen Einsatz die Lebensqualität in unserer Stadt positiv beeinflussen.
    Im Moment fällt mir keine Persönlichkeit ein, die mich neugierig machen würde.

Aus der Offenbach Post vom 29.04.2016:

Stadtverordnetenvorsteherin Christel Germer:

Herausforderungen als Lebenselixier

Dietzenbach – Schon seit Jahrzehnten wirkt Christel Germer in verschiedenen Rollen am Geschehen in der Kreisstadt mit. Schulelternbeirätin, Tafel-Vorsitzende, Stadtverordnete und Magistratsmitglied. Seit einer Woche ist sie Stadt- verordnetenvorsteherin. Von Norman Körtge

Ihr neues Amt hat Christel Germer gleich gefordert. Wenn auch noch in erträglicher Weise. Nachdem die CDU-Politikerin am vergangenen Freitag in der konstituierenden Stadtverordnetenversammlung einstimmig zur Stadtverordnetenvorsteherin gewählt worden war, mussten Anfang dieser Woche bereits die vorliegenden Anträge von Magistrat und Fraktionen gesichtet und den jeweiligen Fachausschüssen zugeteilt werden, die übernächste Woche tagen und die Germer jeweils bis zur Wahl eines Vorsitzenden leiten wird. „Es ist überschaubar“, sagt sie.

Neue Herausforderungen zu meistern gehören für die 1943 in Wien geborene Germer zum Lebenselixier. Einige prägende Kindheits- und Jugenderlebnisse haben ihr späteres Handeln mitbestimmt. Sie ist im zerbombten Wien aufgewachsen, hat Armenküchen mitbekommen. Das eine erklärt, warum sie Jahrzehnte später anfing, sich in der Europa-Union zu engagieren und für den europäischen Gedanken zu werben: „Die Europäische Union hat uns schon mehr als 70 Jahre Frieden gegeben“, sagt sie. Und die EU habe es möglich gemacht, dass sie politische Ämter in Deutschland übernehmen darf, denn die 72-Jährige hat nach wie vor nur die österreichische Staatsbürgerschaft. Die persönlichen Erinnerungen an Armut und Hunger nach Kriegsende waren mit ein Grund, warum sie von Anfang an an der Idee einer Dietzenbacher Tafel mitwirkte. Sie gehörte 2005 zu den Gründungsmitgliedern und ist bis heute deren Vorsitzende. „Das ist ein kleines mittelständisches Unternehmen mit 70 Mitarbeitern.“ Sie erzählt von Logistik, Lagerhaltung und Lebensmittelausgabe. 35 Kunden waren es zu Beginn, neulich 209, die freitags anstanden.

Nachdem Germer 1961 die Matura an der Handelsakademie der Wiener Kaufmannschaft abgelegt hatte, arbeitete sie zunächst als Exportsachbearbeiterin in der Stahlindustrie. Nach einer Reise 1964 nach Frankfurt, wo sie als Taufpatin für ihren Cousin geladen war, wurde sie heimisch im Rhein-Main-Gebiet. Sie nahm zunächst eine Stelle als Abteilungssekretärin beim Frankfurter Battelle-Institut an. Dort lernte sie auch ihren späteren Mann Hans kennen, den sie 1967 heiratete. 1966 wechselte Germer zur Firma Mergenthaler Linotype und stieg dort zur Direktionssekretärin auf.

1972 zog es die Germers nach Dietzenbach. Zunächst kaufte das Ehepaar eine Eigentumswohnung im Starkenburgring, dem heutigen Spessartviertel, bevor es 1979 ein Einfamilienhaus am Steinberger Waldrand bezog. 1982 kam die erste Tochter zur Welt, 1985 die zweite. Schnell wuchs bei Christel Germer das Interesse an der Mitarbeit im Elternbeirat. Sowohl in der Astrid-Lindgren-Schule als auch an der weiterführenden Heinrich-Mann-Schule war sie Elternbeiratsvorsitzende. Über ein paar Monate hinweg sogar zeitgleich. „Im Team haben wir viel bewegt“, erinnert sie sich an die Zeit und ist voll des Lobes: „Dietzenbacher sind was Besonderes. Wenn die Leute etwas wirklich wollen, dann engagieren sie sich auch. Das habe ich immer bewundert.“

Über schulpolitische Diskussionen kam Germer schließlich 2005 zur Dietzenbacher CDU. Ein Jahr später wurde sie in die Stadtverordnetenversammlung gewählt, 2011 ebenso und anschließend in den Magistrat, dem sie nun fünf Jahre angehört hat. „Ich habe viel gelernt“, sagt sie über die Zeit. Bedauert habe sie, dass sie nach dem Ausscheiden von Dietmar Kolmer als Erster Stadtrat die einzige CDU-Stimme in dem Gremium gewesen ist. „Aber so ist das halt in der Opposition“, sagt sie und gibt sich ganz als Demokratin. Sie wäre auch gerne weiterhin im Magistrat geblieben, aber die Partei wollte sie lieber als Stadtverordnetenvorsteherin sehen. Dort möchte sie eine vernünftige Streitkultur etablieren. Davon, die AfD zu ignorieren, hält sie nichts. Man müsse sich mit ihr auseinandersetzen.

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Aus der Offenbach Post vom 08.09.2017:

Miteinander, nicht gegeneinander

Stadtverordnetenvorsteherin Christel Germer spricht über ihr Amt

Dietzenbach – Christel Germer (CDU) ist seit vergangenen April Stadtverordnetenvorsteherin der Kreisstadt. Von Ronny Paul

Die gebürtige Wienerin wirkt bereits seit Jahrzehnten in verschiedenen Rollen in Diezenbach, etwa als Schulelternbeirätin, Vorsitzende der Dietzenbacher Tafel und als Stadtverordnete. Der CDU trat sie 2005 bei und saß vergangene Legislaturperiode für die Christdemokraten im Magistrat. Im Interview spricht sie darüber, wie sie sich in ihrem Amt zurechtfindet und welche politischen Beobachtungen sie seit ihrem Antritt gemacht hat.

Frau Germer, Sie sind nun mehr als ein Jahr Stadtverordnetenvorsteherin. Haben Sie den Schritt jemals bereut?

Bisher kann ich mich auf eine gute Arbeit mit den Kollegen stützen, auch auf eine gute Zusammenarbeit mit dem Gremienmanagement der Stadtverwaltung. Bisher gab es keinen großen Ärger, von daher kann ich nicht sagen, dass ich es bereut hätte.

Es macht Ihnen Spaß…

Ja, es ist eine interessante und verantwortungsvolle Aufgabe.Was sind die Schwierigkeiten, mit denen Sie sich herumschlagen müssen?Schwierig ist die Auslegung der Hessischen Gemeindeordnung (HGO), wenn die Kollegen da unterschiedlicher Meinung sind und wie man sie dann auch richtig anwendet. Jeder möchte gerne nach der HGO und nach der Geschäftsordnung handeln, aber nicht jeder ist da so ganz firm. Das sind – in Anführungsstrichen – die einzigen Schwierigkeiten.

Worin liegen die Unterschiede zur Arbeit im Magistrat?

Der Magistrat ist ein vorbereitendes Organ. Die meisten Vorlagen, die zur Entscheidung im Stadtparlament anstehen, kommen aus dem Magistrat. Der Magistrat ist ein Filter für all diese Dinge. Wenn der Magistrat einer Vorlage nicht zustimmt, kommt sie erst gar nicht in die Stadtverordnetenversammlung (SVV). Magistratsarbeit ist weniger in der Öffentlichkeit, aber ansonsten eine wichtige Aufgabe.

Und die SVV?

Was mir beim Parlament immer noch ein bisschen fehlt, ist die Aufmerksamkeit der Bevölkerung. Die Bevölkerung kennt einen Bürgermeister, einen Ersten Stadtrat, aber das Parlament, das immer öffentlich tagt, hat meiner Ansicht nach zu wenig Besucher. Auch die Ausschussarbeit ist interessant. Mit der Einladung zur akademischen Feier „40 Jahre Seniorenbeirat“ erhielt ich eine entsprechende Broschüre, die ich aufmerksam studiert habe. Und da ist das Stadtparlament nur ganz beiläufig erwähnt. Obwohl der Seniorenbeirat ein Hilfsorgan der SVV ist. Der einzige, der das Parlament in seinem Grußwort würdigt, ist der Landesvorsitzende des Seniorenbeirats. Und das zeigt mir ein bisschen, dass das Parlament bei der Bevölkerung irgendwie nicht so gewichtet wird. Der Bürgermeister kann alleine gar nicht so wahnsinnig viel entscheiden, das Parlament hebt die Hände für Millionen von Geldern, die der Steuerzahler dann zu tragen hat. Die Bedeutung der SVV kommt mir da zu kurz.

Apropos Hilfsorgane: Wie ist der Jugendbeirat bislang angekommen?

Der Jugendbeirat ist schon angekommen. Aber die jungen Menschen sind in ihrer Berufsausbildung, sie entwickeln sich weiter, sie ziehen weg, sie gehen zum Studium. Da ist Kontinuität schwierig. Grundsätzlich haben wir ein Interesse daran, dass es den Jugendbeirat gibt, damit auch Vorstellungen und Wünsche der Jugend ins Parlament einfliessen. Aber wir haben in letzter Zeit gemerkt, dass es nicht ganz so funktioniert. Auch der Jugendbeirat selbst hat sich in der SVV geäußert, dass sie sich nicht genügend unterstützt fühlen. Die Unterstützung ist aber da, sie müssen sie auch wahrnehmen.

Haben Sie sich bei Ihrer Vorgängerin Kornelia Butterweck informiert, bevor Sie das Amt übernommen haben?

Wir haben ein gutes Verhältnis. Ich hätte mich überhaupt nicht zur Verfügung gestellt, hätte sie das weitermachen wollen. Ich habe mich auch bei ihr informiert, wie sie Sitzungen geleitet hat und mich auch intensiv mit dem Gremienmanagement befasst. Jede Sitzung bereite ich mit der Abteilung von Gudrun Gehrmann vor und bespreche alles. Das gibt mir eine gewisse Sicherheit. Es kommen in der SVV trotzdem häufig noch viele Dinge hoch, die plötzlich geregelt werden müssen.

Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen Printausgabe der Offenbach-Post vom 8. September.

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https://www.op-online.de/region/dietzenbach/stadtverordnetenvorsteherin-christel-germer-spricht-ueber-dietzenbach-8663727.html


Aus der Offenbach Post vom 26.09.2020:

„Helfer verdienen Respekt“

Interview mit der Dietzenbacher Tafel-Vorsitzenden

Hinter der Dietzenbacher Tafel liegen schwierige Monate. Wochenlang konnte der Verein wegen des Coronavirus keine Lebensmittel an Bedürftige ausgeben, vieles musste vor dem Neustart am 16. Juni anders konzipiert werden.

Dietzenbach – Trotz aller Widrigkeiten gibt es in diesem Jahr auch etwas zu feiern: das 15-jährige Bestehen der Dietzenbacher Tafel. Im Interview spricht Christel Germer, die Vorsitzende des Vereins, über dessen Anfänge und Zukunft.

Von Anfang an sind Sie die Vorsitzende der Dietzenbacher Tafel, haben die Gründung maßgeblich mitgestaltet und die ersten Schritte miterlebt. Welche Herausforderungen hatten Sie und Ihre Mitstreiter anfangs zu meistern?

Wir haben uns an der Langener Tafel orientiert, die damalige Leiterin hat uns ihr Konzept vorgestellt. Dann haben wir den Sprecher der hessischen Tafeln eingeladen, der uns behilflich war, eine entsprechende Vereinssatzung zu erstellen. Wichtig war uns schon damals, unter den Dachverband der Bundestafel zu schlüpfen und damit den Namen „Tafel“ verwenden zu dürfen. Zunächst mussten wir uns überlegen, wie und an wen wollen wir verteilen. Dann mussten wir uns auf den Weg machen und schauen, wo wir die Lebensmittel herbekommen.

Zahl der Kunden nahm ständig zu

Wie reagierten Bedürftige auf das damals neue Angebot in der Stadt?

Die Zahl der „Kunden“ nahm ständig zu. Hatten wir am Anfang 35 Personen, waren es nach einigen Monaten schon über 100. Dahinter standen immer Familien, die sehr oft viele Kinder hatten. Wir waren auch ein Treffpunkt für diese Menschen, denen wir Kaffee oder Tee und von diversen Bäckern gespendete Kuchenstückchen anboten.

Würden Sie sagen, dass sich die Arbeit von Ihnen und den anderen Helfern heute, 15 Jahre später, anders gestaltet als damals?

Mittlerweile kommen wöchentlich 150 Menschen zur Ausgabe, insgesamt versorgen wir sicher mindestens 800 Dietzenbacher. Und es hat sich alles weiterentwickelt. Unser Aktionsradius musste größer werden, um Lebensmittel zu bekommen, was mehr Personal und höhere Transportkosten bedeutet.

Die Arbeit der Tafel funktioniert nur dank ehrenamtlicher Helfer und viele Vereine haben Probleme, Menschen für ein Ehrenamt zu gewinnen. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Der Verein hat circa 200 Mitglieder, davon 60 bis 70 Aktive. Nun sind meine Mitstreiter fast alle mit mir alt geworden. Es gibt ganz viele, die von Anfang an dabei sind, und das weiß ich sehr zu schätzen. Natürlich haben wir einige durch Alter, Krankheit oder Tod verloren, die Menschen fangen bei uns ja erst im Rentenalter an. Aber wir haben auch immer wieder rüstige Rentner dazubekommen. Wohlgemerkt alles Menschen, die ohne jede Aufwandsentschädigung ehrenamtlich tätig sind. Sie verdienen alle großen Respekt.

Christel Germer: „Bisher findet alles im Freien statt, daher fürchten wir den Winter.“

Seit Monaten befindet sich die Tafel in einer so noch nie da gewesenen Situation. Wie wirkt sich die Pandemie auf Ihre Arbeit aus?

Nach einer dreimonatigen Schließung haben wir ein Konzept erarbeitet, wodurch wieder eine Ausgabe im begrenzten Umfang möglich war. Seit dem 16. Juni sind wir nun an der frischen Luft, auf dem Kirchplatz der Gemeinde St. Martin, tätig. Eine Bewirtung der Kunden ist nicht mehr möglich. Die Helfer haben kaum Kundenkontakt, wir packen große Papiertüten und geben diese aus. Die Helfer sind in ihrer Zahl begrenzt und müssen die Abstände einhalten. Die Kunden werden nach bestimmten Uhrzeiten bestellt, haben Maskenpflicht und müssen ebenfalls Abstand halten. Bisher findet alles im Freien statt, daher fürchten wir den Winter.

Wie sehen Sie in Zukunft die Rolle der Tafeln, in Dietzenbach und deutschlandweit?

Als wir angefangen haben, gab es deutschlandweit 250 Tafeln, jetzt sind es fast 1000 – nicht mitgerechnet die vielen Einrichtungen, die sehr ähnliche Arbeit machen, aber nicht bei der Bundestafel organisiert sind. In Hessen hat sich daher ein Tafelverband gegründet, dem 55 Tafeln angehören. Grundsätzlich sind die Tafeln ja angetreten, um zu verhindern, dass Lebensmittel vernichtet werden. Verteilen an Bedürftige war dann die Konsequenz. Ich sehe es als schwierig an zu sagen, wie viele Menschen auf die Tafeln angewiesen sein werden. Bei hoher Arbeitslosigkeit natürlich mehr, bei Flüchtlingsströmen auch. Ich persönlich meine aber, dass es hier nicht zu einer staatlichen Regelung kommen sollte, auch wenn die Ehrenamtlichen oft an ihre Grenzen stoßen. Wir machen das freiwillig, ehrenamtlich und niemand hat einen Rechtsanspruch darauf, bei der Tafel bedient zu werden. Bei staatlichen Einrichtungen ist das anders. Man könnte meiner Ansicht nach weniger produzieren und wenn nötig die Sozialsätze erhöhen. Es würde vielleicht weniger weggeworfen und die Menschen könnten kaufen, was sie benötigen. Aber ich glaube, so einfach ist das nicht. Es wird immer Menschen geben, die mit ihrem Einkommen auskommen, andere nicht. Und die Produktion so auszurichten, dass nichts übrig bleibt, geht sicher auch nicht.

Was wünschen Sie sich für die Dietzenbacher Tafel, aber auch für die Menschen, die diese Unterstützung in Anspruch nehmen?

Für die Dietzenbacher Tafel wünsche ich mir ein kompetentes Nachfolgeteam, denn – wie bereits erwähnt – wir sind alle in die Jahre gekommen. Und immer ausreichend Ware, um die Menschen, die zu uns kommen, auch weiterhin zu unterstützen. Denn eines ist sicher: Durch unsere Hilfe bleibt den Menschen etwas Geld, um sich andere Teilhabe in der Gesellschaft leisten zu können.

Das Gespräch führte Lena Jochum.

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https://www.op-online.de/region/dietzenbach/helfer-verdienen-respekt-90053675.html


Aus der Offenbach Post vom 08.05.2021:

Christel Germer über ihre Amtszeit als Stadtverordnetenvorsteherin

„Da ist schon mal einer eingenickt“

Fünf Jahre lang war sie Stadtverordnetenvorsteherin. Seit Jahrzehnten beeinflusst sie in unterschiedlichen Positionen das Stadtgeschehen in Dietzenbach: Christel Germer.

Dietzenbach – Im Interview blickt sie zurück auf eine ereignisreiche Zeit in der Dietzenbacher Politik unter Pandemie-Bedingungen und gibt einen Einblick in das Amt der ersten Bürgerin der Stadt.

Frau Germer, welchen Einfluss hatte die Pandemie auf ihre Arbeit als Stadtverordnetenvorsteherin?

Corona hat einiges durcheinandergebracht. Vergangenes Jahr mussten wir eine Stadtverordnetenversammlung zu Beginn der Pandemie ausfallen lassen. Das war natürlich nicht schön. Es mussten passende Räumlichkeiten gefunden werden, da das Capitol noch umgebaut wurde. Vom Land Hessen wurden dann schnell Gesetze auf den Weg gebracht, sodass wir zumindest in der Lage waren, einen Haushalt für ein Jahr im Haupt- und Finanzausschuss auf den Weg zu bringen.

Was hat Ihnen die Verantwortung im Amt bedeutet?

Ich finde, dieses Amt ist eine ehrenvolle Aufgabe. Ich habe mich immer besonders gefreut, wenn ich zu Vereinsterminen und Vereinsfeiern eingeladen war und vielleicht auch noch um ein Grußwort oder eine kurze Rede gebeten wurde. Ich habe dabei die Vereinslandschaft gut kennengelernt. Bei den Ehrungen der Vereinsmitglieder hat man auch viel über die Arbeit und das Miteinander in den Vereinen erfahren. Besonders am Herzen lagen mir als glühender Europäerin die diversen Städtepartnerschaften. Genauso war es mit öffentlichen Auftritten und Repräsentationsaufgaben, wie Abiturfeiern, Schuljubiläen, Musikfesten, Einladungen der IHK, des Kreises Offenbach, dem Volkstrauertag und nicht zuletzt dem jährlichen Neujahrsempfang, der ja in diesem Jahr wegen der Pandemie ausgefallen ist. Schade, es wäre mein letzter gewesen.

Welches Wochenarbeitspensum hatten Sie?

Ich habe keine Schätzung, arbeitete immer nach Arbeitsanfall. Ich habe versucht, alle Dinge möglichst sofort zu erledigen, damit sich nichts ansammelt. Die Teilnahme an den Ausschusssitzungen war mir immer wichtig, um die Argumentation der Fraktionen zu den Anträgen zu erfahren. Es gibt ja nur Ergebnisprotokolle, deshalb kann man eben nicht alles nachlesen.

Nach welchen Kriterien haben Sie die Tagesordnung zusammengestellt?

Die Zusammenstellung der Tagesordnung unterliegt den Regeln der Hessischen Gemeindeordnung. Viel Spielraum hat ein Stadtverordnetenvorsteher da nicht, es sei denn, er verletzt seine durch das Amt vorgegebene Neutralität. Die Tagesordnung wird auch immer im Einvernehmen mit dem Magistrat erstellt. Auch hier unterstützt das Gremienmanagement. Mit dem amtierenden Bürgermeister konnte ich mich auch immer sehr gut abstimmen.

Was konnten Sie von Ihrem Platz aus während der Stadtverordnetenversammlung so alles beobachten?

Solange wir noch im Rathaussitzungssaal getagt haben, war alles überschaubarer. Die Mitglieder waren näher dran und sehr aufmerksam. Im Capitol ist schon mal einer eingenickt.

Welches Ereignis ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Meine persönliche Einladung zur Verabschiedung von Bundespräsident Joachim Gauck in Berlin und meine Ehrung mit dem Landesehrenbrief des Landes Hessen.

Welchen Tipp geben Sie ihrer Nachfolgerin?

Ich gebe keinen Tipp. Meine Nachfolgerin hat genug parlamentarische Erfahrung, um dieses Amt auf ihre Weise auszufüllen.

Bleiben Sie nach dem Ausscheiden als Stadtverordnetenvorsteherin der Kreisstadt mit weiterem Engagement erhalten?

Es hat mir Freude gemacht mich für die Stadt, in der ich seit 1972 lebe, mit viel persönlichem Engagement einzubringen. Ich bin immer noch im Landesvorstand der Senioren-Union, im Landesvorstand der Europa-Union und leite die Dietzenbacher Tafel seit 16 Jahren. Das werde ich langsam eher reduzieren.

Das Gespräch führte Lukas Reus

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https://www.op-online.de/region/dietzenbach/da-ist-schon-mal-einer-eingenickt-90526997.html

Lippold, Dr. Klaus

Er war von 2005 bis 2009 Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung des Deutschen Bundestages und war von 2000 bis 2005 Stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Nach dem Abitur 1962 in Plettenberg absolvierte Lippold ein Studium der Volkswirtschafts- und der Betriebswirtschaftslehre an der Universität zu Köln, welches er 1967 als Diplom-Volkswirt beendete. Während seines Studiums trat er 1962 in den wissenschaftlichen katholischen Studentenverein Unitas-Landshut Köln ein. Von 1967 bis 1972 war er am Institut für Einkommenspolitik und soziale Sicherung in Köln tätig. Danach arbeitete er als Referent im Verein deutscher Maschinen- und Anlagenbau und ist seit 1977 Geschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände und der Landesvertretung Hessen des BDI. Weiterhin ist Lippold Geschäftsführer des Industrieverbandes Kunststoffbahnen e.V. 1978 erfolgte seine Promotion zum Dr. rer. pol. an der Universität Köln mit der Arbeit „Ansatzpunkte zur systemorientierten Betrachtung des Verbandes – Analyse der deutschen Kolpingsfamilie – ein Beitrag zur Verbandstheorie“.

Klaus Lippold ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Lippold trat 1969 in die CDU und die Junge Union (JU) ein. Er war von 1974 bis 1977 Vorsitzender des JU-Kreisverbandes Offenbach-Land und gehört seit 1978 dem CDU-Landesvorstand in Hessen an. Von 1982 bis 2000 war er außerdem Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Offenbach-Land.

Lippold gehört von 1972 bis 2015 der Stadtverordnetenversammlung seines Wohnortes Dietzenbach an.

Ab 1983 war Lippold Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war er von 1990 bis 1994 Vorsitzender der Enquête-Kommissionen Vorsorge zum Schutz der Erdatmosphäre und Schutz der Erdatmosphäre und von 1994 bis 2000 Vorsitzender der Arbeitsgruppe Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Von Februar 2000 bis Oktober 2005 war Lippold schließlich stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion. Seit Oktober 2005 ist er Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung.

Klaus Lippold ist 1998 und 2002 über die Landesliste Hessen und sonst stets als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Offenbach in den Deutschen Bundestag eingezogen. Bei der Bundestagswahl 2005 erreichte er hier 43,7 % der Erststimmen. Bei der Bundestagswahl 2009 verzichtete er altersbedingt auf eine Kandidatur und schied aus dem Bundestag aus.


Aus der Offenbach Post vom 07.08.2009:

Zurück aus der Weltmetropole

Dietzenbach – Dr. Klaus Lippold gehört seit 1983 dem Deutschen Bundestag an. Bei der Bundestagswahl am 27.  September wird der Name des CDU-Mannes allerdings nicht mehr auf den Wahlzetteln auftauchen. Der 66-Jährige will in den Ruhestand gehen. Von Barbara Scholze und Christoph Zöllner

Barbara Scholze und Christoph Zöllner haben mit dem Dietzenbacher über wichtige Entscheidungen gesprochen – sowohl auf lokaler als auch auf Bundesebene.

Sie gehören nicht nur dem Deutschen Bundestag an, sondern auch dem Dietzenbacher Stadtparlament. Wie passt das zusammen?

Ich bin seit 1972 Dietzenbacher. Und ich fühle mich dieser Stadt ausgesprochen verbunden. Da ist es doch selbstverständlich, dass man etwas zurückgibt, wenn man gewählt wird. Die notwendige Zeit nehme ich mir gerne. Denn ich möchte dazu beitragen, auch weiterhin ein Wohnumfeld zu haben, in dem man sich wohl fühlt. Meine Familie und ich fühlen uns hier sehr wohl. Wir werden in Dietzenbach bleiben.

Wie gehen Sie als Polit-Profi damit um, wenn Ihnen in der Freizeit-Politik bisweilen Engstirnigkeit und Kleinkariertheit begegnen?

Na ja, auch in Berlin gibt es manchmal Dinge, die nicht erklärbar sind. Ich habe meinen Parteifreunden immer deutlich gemacht, dass man in der Kommunalpolitik sehr viel lernen kann. Die Dinge haben auf der höheren Ebene vielleicht zwei, drei Nullen mehr als im lokalen Bereich, aber was das menschliche Verhalten und Taktieren angeht, gibt es sehr viele Ähnlichkeiten. In der CDU haben wir’s immer so gehalten, dass wir von Kandidaten für den Landtag oder Bundestag erwarten, dass sie kommunalpolitisch aktiv waren oder noch sind. Wer in der Kommunalpolitik Gutes leistet, bringt beste Voraussetzungen mit, auch auf der Bundesebene zu bestehen.

Welche Entscheidung, für die Sie in sieben Legislaturperioden im Bundestag die Hand gehoben haben, war für Sie am schwierigsten und welche hatte die weitreichendsten Auswirkungen?

Da muss man unterscheiden. Sicherlich eine, wenn nicht sogar die schwierigste Entscheidung war die Nato-Nachrüstung in den achtziger Jahren. Es war die Frage, ob wir damit die Kriegsgefahr erhöhen oder den Frieden bewahren, was sich hinterher Gott sei Dank bestätigt hat. Dies hat letztlich auch dazu geführt, dass es zur Wiedervereinigung kam.

Hier geht es zum original Artikel:
https://www.op-online.de/region/dietzenbach/zurueck-weltmetropole-435257.html


Wikipedia-Seite von Dr. Klaus Lippold
https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Lippold

Gieseler, Helmut

Aus der Offenbach Post vom 14.2.2022:

Christdemokrat Helmut Gieseler geht nach 20 Jahren in den politischen Ruhestand

Zur Stadtentwicklung beigetragen

Ein Sohn als Bürgermeister, der Ausbau der Stadtmitte und zahlreiche Ämter: Christdemokrat Helmut Gieseler blickt auf eine ereignisreiche Zeit in der Kommunalpolitik zurück. Jetzt ist Schluss mit dem Engagement im Sinne der Allgemeinheit. Der 80-Jährige hat sein Mandat zurückgegeben. Besonders mit Stolz erfüllt ihn, dass die Dietzenbacher ihn fünf Mal als Stadtverordneten gewählt haben. „Das war eine große Bestätigung meiner politischen Arbeit“, sagt er.

Dietzenbach – Das erste Mal hat Helmut Gieseler im Jahr 2001 die politische Bühne betreten. Fünf Jahre später vertrat er seine Partei im Bauausschuss. Eine Aufgabe, die er mit besonders großer Leidenschaft verfolgt hat. „Hier ging es weniger um Politik, sondern viel mehr um fachliche und sachliche Dinge“, macht der frühere Kernphysiker deutlich, der 1999 in die CDU eingetreten ist. Als Stellvertreter des einstigen Bauausschussvorsitzenden Harald Nalbach (WIR-BfD) erlebte er die Renovierung des Rathauses ebenso mit, wie den Ausbau der Stadtmitte. Die Errichtung des Rathaus-Centers betrachtet Helmut Gieseler dabei als besonderen Zugewinn. „Vorher mussten wir für die Einkäufe nach Heusenstamm fahren und nun haben wir alles in der Nähe.“ Auch betrachtet der CDUler die Anbindung Dietzenbachs ans S-Bahn-Netz als einen der entscheidenden Schritte in der Standortentwicklung.

Sein Engagement als Kommunalpolitiker beschränkte sich jedoch nicht auf den Bauausschuss. So war er darüber hinaus Mitglied des Haupt- und Finanzausschusses sowie der Betriebskommission der Städtischen Betriebe und des Präsidiums der Stadtverordnetenversammlung. Zu den Höhepunkten seiner politischen Laufbahn zählt etwa die Eröffnung der konstituierenden Sitzung der Stadtverordnetenversammlung in der laufenden Wahlperiode als ältester Stadtverordneter.

Die Zeit, in der sein Sohn Stephan Gieseler (CDU) Bürgermeister war (2001 bis 2009), hat er als besonders prägend empfunden. „Er hat nicht allein in der Bevölkerung, sondern auch durchaus parteiübergreifend Rückhalt erfahren“, erinnert sich Helmut Gieseler zurück. Zudem habe er von der Verwaltung große Unterstützung gehabt. Allerdings: Die Schattenseiten, die das Amt seines Sohnes mit sich brachte, waren für ihn als Vater schwer auszuhalten. „Stephan ist damals aufgrund seines jungen Alters angegriffen worden“, sagt der einstige Mitarbeiter der Siemens-Tochter KWU in Offenbach. Die Kritik sei dabei nicht sachlich gewesen. Zudem habe sich wohl so mancher Stadtverordnete schwer damit getan, dass an Dietzenbachs Spitze nach langer Zeit kein Sozialdemokrat, sondern ein Christdemokrat stand. Zuvor war Jürgen Heyer (SPD) zwölf Jahre lang Rathauschef.

Als zeitweise herausfordernd hat Helmut Gieseler zudem die wechselnden Mehrheiten im Stadtparlament empfunden. „Es war als CDU oft nicht möglich, eine eigene Politik zu machen.“ Stets hätte man Kompromisse finden müssen, und der Weg dorthin sei nicht immer einfach gewesen. Und dennoch: „Wenn wir uns einigen konnten, waren alle mit der getroffenen Entscheidung zufrieden.“ Außerdem gehöre das Finden eines gemeinsamen Nenners zur Politik dazu.

Seinen politischen Ruhestand will Helmut Gieseler mit seiner Familie verbringen. So hat er vor Kurzem ein zweites Enkelkind bekommen und weiß, dass sein Sohn und seine Schwiegertochter nun jede helfende Hand gebrauchen können. In die Stadtverordnetenversammlung rückt für ihn der stellvertretende Parteivorsitzende Marvin Flatten nach, der bereits von 2011 bis 2021 Mitglied im Dietzenbacher Stadtparlament war. (Anna Scholze)

Hier geht es zum vollständigen Artikel:
https://www.op-online.de/region/dietzenbach/zur-stadtentwicklung-beigetragen-91345540.html

Cárdenas Alfonso, Barbara

Barbara Cárdenas Alfonso (* 14. Januar 1954 in Werne) ist eine hessische Politikerin (Die Linke) und ehemalige Abgeordnete des Hessischen Landtags. Sie wohnt seit 1993 in Dietzenbach.

1979 heiratete sie ihren Ehemann. Vorher hieß sie Bärbel Schlinkert.

Im Dietzenbacher Stadtparlament war Sie Stadtverordnete für die Dietzenbacher Liste und später für Die Linke.
Aktuell ist sie Mitglied des Magistrats.

Sie hat sich sehr stark im Verein Zusammenleben der Kulturen in Dietzenbach engagiert. Dort war sie eine Zeit lang 2. Vorsitzende.


Hier geht es zur Wikipedia Seite:
https://de.wikipedia.org/wiki/Barbara_C%C3%A1rdenas_Alfonso

Hier geht es zu Ihrer privaten Homepage:
http://www.cardenas-pfiffigunde.de/lebenslauf.htm

Meyer, Dr. phil. Klaus

  • hat ein Vierteljahrhundert in Dietzenbach in der Hessischen Jugendbildungsstätte gearbeitet
  • Engagement in der Solidaritätsarbeit für Nicaragua und Kuba
  • Vereinsaktiver beim Monimbó e.V.
  • Er setzte sich für das Wandbild aus Nicaragua (Künstlergruppe “Diriangen”) ein, was an das Rathaus gehängt werden sollte. Die politische Mehrheit verhinderte dies.

Aus der TAZ vom 21. 8. 1998:

Freiheit, die wir meinen
Vom hessischen Dietzenbach nach Berlin-Kreuzberg: Die von „rechtschaffenen“ Bürgern erzwungene Odyssee eines lateinamerikanischen Wandgemäldes  ■ Von Peter Nowak

Aus dem Urlaub zurückkehrende KreuzbergerInnen werden sich verwundert die Augen reiben. An der Häuserwand Oranienstraße Ecke Manteuffelstraße, dort wo seit den 80er Jahren politische Losungen und Wandmalereien nicht selten den Zorn von PolitikerInnen auf sich zogen, werden dann auf einem riesengroßen Gemälde Szenen aus der Geschichte des amerikanischen Subkontinents zu sehen sein.
Neben namenlosen Indigenas mit Fahnen und Spruchbändern dürfen die lateinamerikanischen Freiheitshelden der verschiedenen Epochen nicht fehlen: Simon Bolivar, Tupac Amaru, Sandino, Salvador Allende und natürlich Che Guevara. Das Bild erinnert nicht zufällig an die als Revolutionstrophäen aus dem sandinistischen Nicaragua der 80erJahre so beliebten Wandteller und Postkarten. Es wurde von vier KünstlerInnen aus der nicaraguanischen Stadt Masaya in Zeiten gemalt, als auch manche Stadtverwaltungen noch von Nicaragua libre schwärmten.

Dazu gehörte auch die rot-grün regierte hessische Kleinstadt Dietzenbach, die 1985 eine Städtepartnerschaft mit Masaya geschlossen hatte. Mehrere KünstlerInnen aus Masaya wollten ihrer deutschen Partnerstadt als Dank für die Solidarität mit Nicaragua ein Wandbild schenken. Bei der Dietzenbacher Stadtratsmehrheit stieß das Projekt auf große Zustimmung. Man wollte den KünstlerInnen zum 500. Jahrestag der „Entdeckung“ Amerikas im Jahre 1992 die Möglichkeit geben, dieses Jubiläum aus der Perspektive der „Entdeckten“ darzustellen. Das Gemälde sollte an exponierter Stelle an der Außenwandfläche des Dietzenbacher Rathauses angebracht werden. Doch dazu sollte es nicht kommen.

Mit populistischen Parolen mobilisierten die örtliche CDU und eine extra zur Verhinderung des Gemäldes gegründete rechtspopulistische WählerInnengemeinschaft „Bürger für Dietzenbach“ die schweigende Mehrheit. In Briefen an alle Dietzenbacher WählerInnen hieß es: „Keine politischen Diffamierungsversuche am Rathaus oder an einem anderen Ort. Wir Dietzenbacher haben andere Sorgen.“ Ein CDU-Stadtverordneter wollte statt des exotischen Gemäldes ein Bild über die Vertreibung der Deutschen nach dem 2. Weltkrieg am Rathaus anbringen lassen. Auf Druck der Opposition wurde eine BürgerInnenbefragung angesetzt, an der sich allerdings nur knapp 20 Prozent der Wahlberechtigten beteiligten, von allerdings 80 Prozent gegen das Bild votierten Klaus Mayer vom Verein „Monimbo e.V.“, der sich für das Gemäldes einsetzte: „Einer ganzen Reihe von Menschen in Dietzenbach war es leichtgefallen, die meist sehr positiv geschätzte Solidaritätsarbeit mit Spenden oder städtischen Zuschüssen zu unterstützen. Daß jetzt aber Künstler aus diesem Land ihre Sicht der Welt und ihre Version der Ursachen der Armut in ihrem Land, an dem wir mitschuldig sind, darstellten, das möchte man auch als hilfsbereiter Mensch nicht hinnehmen.“ Besonders die SPD habe sich wachsweich verhalten und insgeheim von dem Bild distanziert, meint Mayer. Auch an der SPD-Basis fanden die Parolen der GegnerInnen Gehör, wie das Debakel für die SPD bei den folgenden Kommunalwahlen zeigte.

Seit 1992 tingelte der Auslöser des ganzen Streits dann als Wanderbild quer durch die Republik. Mal machte es Station auf dem evangelischen Kirchentag, dann hing es für einige Zeit an einem Jenaer Einkaufszentrum, zuletzt in der Potsdamer Innenstadt. Ab Samstag soll es nun in Kreuzberg einen festen Platz bekommen. Mit Widerstand gegen das Gemälde ist dort nicht zu rechnen. Eher bestünde die Gefahr, daß es im bunten Kreuzberger Flair nicht richtig wahrgenommen wird, befürchtet ein Berliner Mitorganisator. Die Enthüllung und Präsentation wird mit einem Straßenfest begangen. Die Aktion läuft im Rahmen der bundesweiten „Karawane für die Rechte von Flüchtlingen und MigrantInnen“.

Hier geht es zum gesamten Artikel:
https://taz.de/Freiheit-die-wir-meinen/!1329387/


Aus der Zeit vom 3.4.1992:

Der Teufel an der Rathauswand
Ein Held, ein Schuft und ein umstrittenes Kunstwerk
Von Hartmut Blinten

Dietzenbach

Hans Schmandt, der örtliche Maler-Senior, wählte für den Eklat die Bühne. Bei einer Vernissage in der Galerie seines Künstlerfreundes Karl-Heinz Wagner schleuderte er vor ausgewähltem Publikum die Kulturpreis-Medaille dem Bürgermeister Jürgen Heyer wie einen Fehdehandschuh vor die Füße. Der Sozialdemokrat empörte sich zwei Tage später, als er die Sprache wiedergefunden hatte: “Das war ein blanker Affront gegen mich.”

Mit seinem Tiefschlag setzte der lokale Kunstpapst einen vorläufigen Höhepunkt in einem Streit, der dietzenbachtypische Züge trägt: ein Held (der Künstler Schmandt), ein Schuft (der Kommunist Weilmünster) und die Kanalgebühren im Hintergrund.

Auf der Strecke bleibt dabei voraussichtlich ein Wandbild, mit dem die Künstlergruppe “Diriangen”, benannt nach einem Nica-Häuptling aus der nicaraguanischen Partnerstadt Masaya, zum Kolumbus-Jubiläum 500 Jahre europäische Segnungen für Lateinamerika thematisieren will. Das Bildnis, das sieben Meter breit und siebzehn Meter hoch auf der Rathaus-Eckwand einen Blickfang bilden würde, führt den Passanten in Augenhöhe die Ahnengalerie lateinamerikanischer Revolutionäre vor: Simon Bolivar und Tupac Amaru, Sandino, Che Guevara und Salvador Allende.

Fidel Castro ging schon bei einem Vorentwurf über den Deich, ebenso verschwanden der Raketenkranz auf dem Kopf der Freiheitsstatue und die Totenköpfe im US-Banner. Nur noch für Weitsichtige erkennbar ist ganz oben links die Ausrottung der Hoch- und Primitivkulturen des Subkontinents. Der Gruppensprecher Noel Calero: “Wir malen die Realität, in der unsere Völker leben.”

Pate des Projekts auf Dietzenbacher Seite ist Richard Weilmünster, der letzte Ur-Dietzenbacher im Magistrat und der einzige kommunistische Stadtrat in Hessen. Er dichtete seine Pläne nach dem Prinzip ab, daß man Bäume am besten im Wald versteckt. Zur Diskussion über jede einzelne Entwicklungsstufe lud er öffentlich ein, aber kaum jemand kam – vor allem nicht der Dietzenbacher Künstlerkreis um Schmandt und Wagner. 15 000 Mark Komplementärfinanzierung der Stadt wurden im Etat verankert, aber die CDU-Opposition erkundigte sich lediglich, warum die Summe beim Untertitel “Bürgerhaus” verbucht wurde. Aus der insgesamt neunstündigen Diskussion über die Bildentwürfe zog sich der CDU-Vertreter nach fünfzehn Minuten zurück.

Feuer bekam Weilmünster dann aber aus einer Ecke, mit der er nicht gerechnet hatte. Ein Schmandt-Freund, der Graphiker Günther Schwinn, machte mobil: “Hier geht es um eine Partnerschaft mit Sandiriisten, die von der Mehrheit der Bevölkerung nicht getragen wird.” Er investierte 1200 Mark in eine sechsspaltige Anzeige im Stadtanzeiger (“Wir sind dagegen”) und sammelte über 3000 Unterschriften. Schwinn über seinen Erfolg: “Da ist so viel anderes passiert, da war das Wandbild nur noch der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen gebracht hat.” Das andere sind vor allem die neuen Kanalgebühren, die – ökologisch gesehen – sehr fortschrittlich, aber so kompliziert sind, daß sie die Stadtverwaltung nicht in den Griff bekommt. Seit mehr als einem Jahr jagen sich Gebührenbescheide und Widersprüche. Schaden hat zwar außer der Stadt noch niemand erlitten, aber die Bürger sind pikiert.

Der Teufel an der Rathauswand – Seite 2
Hans Schmandt, der das Wandbild nicht für “ein Werk der Kunst, sondern der Propaganda” hält, erinnert sich an die Zeiten, als sich die städtische Kulturpolitik im Grußwort des Bürgermeisters bei Vernissagen erschöpfte: “Früher gab es eine offene Politik. Da konnte man leben und leben lassen. Heute ist das alles einseitig ausgerichtet.” Sein Künstlerkreis sagte vorsorglich die Weihnachtsausstellung 1992 im Rathaus ab. Kollege Wagner, Genosse seit 23 Jahren, gab nach der ersten von zwei SPD-Versammlungen zu dem Wandbild sein Parteibuch zurück.

In der vergangenen Woche kapitulierte Richard Weilmünster nun mit einer persönlichen Erklärung in der Stadtverordnetenversammlung vor so viel Widerstand: “Den allgemeinen Unmut der Bevölkerung gegen dieses Projekt habe ich unterschätzt.” Er nahm Abschied von seiner Idee, mit dem Wandbild aus der Spenden-Einbahnstraße Dietzenbach-Masaya einen lebendigen Dialog zwischen hüben und drüben zu entwickeln: “Mir ging es um mehr, als nur unsere Position als Gönner bestätigen zu lassen.”

In der Niederlage erkannte der Stadtrat aber noch einen Funken Hoffnung. Vielfach habe sich, so sinnierte er, der Protest nicht gegen das Bild als solches, sondern gegen die Rathauswand als Malfläche gewandt. Damit hätten sich die Dietzenbacher erstmals in sechzehn Jahren mit dem Rathaus auf der grünen Wiese, dem Symbol einer umstrittenen städtebaulichen Entwicklung, identifiziert.

Für die nächste Parlamentssitzung kündigte Weilmünster “geeignete Vorschläge” der Unabhängigen Kommunisten “für andere Formen der Herangehensweise” an das Thema Kolumbus-Jubiläum an. Hartmut Blinten

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