Tatligün, Ahmet

Ahmet Tatligün ist 1933 in Kahramanmaras in der Ortschaft Düzbag in der Türkei als ältester von vier Kindern geboren. Er selbst hat sieben Kinder und kam 1970 nach Deutschland.

Herr Tatligün, haben Sie selbst Kinder?
Ja.

Wieviele?
Sieben.

Leben alle in Deutschland?
Fünf von ihnen leben in Deutschland und die anderen zwei in der Türkei.

Sind Sie zur Schule gegangen Herr Tatligün?
Nein, ich konnte leider nicht.

Und wie war Ihre Kindheit?
Wir waren Bauern, beschäftigten uns mit dem Ackerbau und lebten in Armut.

Waren Sie Hirte?
Ja.

Wie haben Sie Ihre Jugend erlebt?
Ganz normal, mit Arbeiten halt.

Wann haben Sie geheiratet?
Ich habe im Jahre 1952 mit 19 Jahren geheiratet.

Kommt Ihre Frau auch aus Düzbagi?
Ja, Sie ist gleichzeitig auch meine Cousine.

Mit welchen Erwartungen kamen Sie nach Deutschand?
Uns ging es natürlich darum, Geld zu verdienen, da wir in der Türkei unter schlechten Bedingungen und in Armut lebten. Wir wollten ursprünglich ein paar Jahre arbeiten und dann wieder zurück in unsere Heimat. Nun sind es mittlerweile 40 Jahre und wir konnten immer noch nicht zurückkehren. Ich bin Rentner. Ich fuhr für 6 Monate in die Türkei, es ging mir nicht gut, deshalb konnte ich nicht so lange in der Türkei bleiben. Nun fahre ich nur für einen Monat.

Haben Sie Bekannte oder Verwandte in der Türkei?
Ja, mein Sohn, meine Tochter und noch Verwandte.

Haben Sie also Ihre Bindung zur Türkei nicht abgebrochen? Wie ist Ihr Verhältnis mit der dortigen Verwandtschaft?
Sehr gut.

Haben die irgendwelche Erwartungen an Sie?
Nein, haben sie nicht. Ihnen geht es finanziell genau so gut wie mir auch.

Ihre Verwandten haben also keine finanziellen Sorgen?
Nein, das haben sie nicht.

Wie lange wollten Sie ursprünglich in Deutschland bleiben?
Ein bis zwei Jahre. Bis ich das Geld für ein Haus oder für einen Ochsen verdient habe.

Was hat Sie an der Rückkehr in die Türkei gehindert?
Wir hatten Arbeit und uns ging es gut. Da die Kinder auch hier zur Schule gingen, sind wir hier geblieben.

Sie fanden die hiesigen Lebensbedingungen also besser?
Ja, besser als die der Türkei

Fühlen Sie sich während Ihres Urlaubsaufenthaltes in der Türkei als ein Fremder?
Ja, das tun wir. Dort sind wir die Deutschtürken, hier die Ausländer.

Sind Sie mit der Umgebung, in der Sie wohnen, zufrieden?
Ja, das bin ich.

Wie sind Sie zu der Entscheidung gekommen, in einem Seniorenheim leben zu wollen?
Ich habe ungefähr 20 Jahre auf meine Wohnungsnachfrage kein passendes Angebot seitens der Stadtverwaltung erhalten, bis ich eines Tages einen Anruf erhalten habe, indem mir betreutes Wohnen vorgeschlagen wurde und ich dieses Angebot annahm.

Reicht denn Ihr Einkommen aus, um Ihre Miete zu bezahlen und Ihren Lebensunterhalt zu sichern?
Nein, mein Einkommen allein reicht nicht aus, ich erhalte noch staatlichen Zuschuss.

Ich bedanke mich für dieses Interview und hoffe, dass es auch Ihnen gefallen hat.
Ich bedanke mich auch.

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