Conrad, Edith

  • geboren 1940 in Deutschland
  • Überlebende des Holocaust
  • Großeltern Hermann und Paula Eschwege
  • Tochter von Joseph und Esther Ortloff, geborene Eschwege
  • Inhaberin des Ehrenbriefes des Landes Hessen
  • Langjährige Vorsitzende der Volkshochschule Dietzenbach
  • Langjähriges Vorstandsmitglied der VSG Dietzenbach
  • Langjährige Stadtverordnete
  • Gründungsmitglied Arbeitskreis Aktives Gedenken in Dietzenbach e.V.

Ihr Vater war Katholik. Edith Conrad überlebte den Holocaust gemeinsam mit ihrer Mutter im Versteck. Die Großeltern Eschwege und die Tante Theresia Wolf mit ihrem Ehemann wurden deportiert und kamen im Konzentrationslager um. Edith Conrad war die einzige der Familie Eschwege aus Frankfurt, die in Deutschland lebte. Die Lehrerin, Diplom-Pädagogin und Psychologin ging als Zeitzeugin in Schulen und war sozial und politisch tätig.


Aus der Offenbach Post vom 21.10.2010:

Engagement als Lebensmotto

Dietzenbach ‐ Kater Sebastian hangelt an der Treppe entlang, hascht mit seiner Pfote nach seinem Frauchen. „Der kleine Kerl ist intelligent, der findet einfach alles“, sagt Edith Conrad und lacht. Von Ingrid Zöllner

Das junge Katerchen habe sie aus therapeutischen Zwecken für ihren Lebensgefährten Jim (72) geholt, sagt sie, der derzeit im Krankenhaus liegt. Die beiden sind seit 26 Jahren ein Paar. Es ist keine einfache Zeit für die 70-Jährige, die in ihrem Leben viel mitgemacht hat.

Conrad wurde 1940 in Bielefeld geboren und bekam die Auswirkung des Krieges hautnah zu spüren. „Meine Mutter war Jüdin“, erzählt sie. Und als die junge Edith gerade mal vier Jahre alt war, im September 1944, da wurde ihre Mutter von der Gestapo geholt, erinnert sich Conrad noch genau. Nach einem Bombenangriff hatte das vierjährige Mädchen eine Rauchvergiftung erlitten, kam daraufhin in das Kinderheim eines Klosters in Bad Salzuflen.

Dank der Kontakte des katholischen Vaters zur Caritas gelang es, die Mutter aus den Fängen der Gestapo zu befreien, die anschließend unter falschem Namen bei Bauern in der Nähe von Bad Salzuflen unterkam. Sie gab sich als polnische Arbeiterin aus und zog von Hof zu Hof, starb indes nur wenige Jahre nach Kriegsende, 1948, an einem schwerem Herzleiden. Bereits 1946 hatte die junge Edith erfahren müssen, dass ihre Verwandten nach Sobibor und Belzec deportiert und dort getötet worden waren.

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https://www.op-online.de/region/dietzenbach/engagement-lebensmotto-970410.html


Aus der Offenbach Post vom 03.05.2018:

Freunde und Weggefährten erinnern an Edith Conrad
Gegen das Vergessen gekämpft

Dietzenbach/Frankfurt – Mit einer Gedenkfeier haben sich Freunde und Weggefährten in Frankfurt von Edith Conrad (†) verabschiedet. Die Dietzenbacherin war eine der letzten Zeitzeugen des Holocausts und maßgeblich an der Stolpersteinverlegung in der Kreisstadt beteiligt. Von Ronny Paul

„Warum gibt es keine Stolpersteine in Dietzenbach?“ Diese Frage trieb Edith Conrad (*1940 – †2018) um, schrieb sie in Horst Schäfers Buch „… und tilg nicht unser Angedenken“. Edith Conrad, die aus einer christlich-jüdischen Familie stammte, bekam die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs hautnah zu spüren und entkam den Fängen der Gestapo nur knapp. Ihre Verwandten hingegen starben in den Konzentrationslagern Sobibor und Belzec. Edith Conrad hat zeitlebens gegen das Vergessen der Gräueltaten der Nationalsozialisten gekämpft. Daran und an ihr soziales Engagement sowie an ganz persönliche Erlebnisse mit ihr erinnerten sich Freunde und Weggefährten bei einer Gedenkfeier in der Kapelle der Henry-und-Emma-Budge-Stiftung in Frankfurt-Seckbach. Der Dietzenbacher Buchautor Horst Schäfer hatte die Gedenkfeier zusammen mit Renate Rauch und Martina Faltinat vom „Projekt Jüdisches Leben in Frankfurt e. V.“, bei dem Edith Conrad mitgewirkt hat, initiiert, das Dietzenbacher Ensemble Saitensprung begleitete die Zusammenkunft mit jüdischen Liedern.

„Als schmerzhaften Verlust“ bezeichnete der ehemalige Fraktionskollege Jens Hinrichsen (FW-UDS) Edith Conrads Ableben und erinnerte auch an ihr Engagement, in der Kreisstadt Stolpersteine verlegen zu lassen. Mit der Ärztin Dr. Dörte Siedentopf, dem Ehepaar Artus und Gisela Rosenbusch sowie Peter Gussmann setzte sich Edith Conrad für aktives Gedenken in der Kreisstadt ein.

In Horst Schäfers Buch schrieb sie: „In den Nachbarstädten Dreieich, Rödermarkt, Rodgau, Heusenstamm und auch für den Kreis Offenbach war von Berufs- und Lokalhistorikern ab Mitte der 1980er Jahre – teils mit aktiver Förderung und Unterstützung der Städte und des Kreises – die NS-Zeit erforscht worden.“ In Dietzenbach fand sich jedoch kein Mahnmal – „außer einer pauschalen Erwähnung auf einer Wandtafel im Heimatmuseum“. Mit Veranstaltungen wirkte Edith Conrad zusammen mit der „Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen“ (AsF) Anfang der 2000er Jahre dem entgegen. „Die Stolperstein-Idee fand nicht überall Beifall“, berichtete Edith Conrad in Schäfers Buch. Gegen einige Widerstände schaffte der Aktivkreis schließlich, Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig vor den damaligen Häusern von jüdischen Dietzenbachern und anderen NS-Verfolgten zu verlegen, um die Nachwelt an die Opfer der NS-Gewaltherrschaft zu erinnern. Im Februar 2006 wurden schließlich die ersten Stolpersteine verlegt.

1940 in Bielefeld geboren, bekam Edith Conrad als Kind einer jüdischen Mutter und eines katholischen Vaters hautnah zu spüren, wie skrupellos die Nationalsozialisten waren. Im September 1944, als Edith Conrad gerade einmal vier Jahre alt war, stand die Gestapo in der Tür und wollte Mutter und Tochter mitnehmen. Auf dem Revier gelang es der Mutter, erzählt Horst Schäfer, die Gestapo zu überzeugen, das Kind aufgrund einer bei einem Bombenangriff erlittenen Rauchvergiftung und wegen des katholischen Vaters nicht mitzunehmen. Die Mutter versteckte Edith Conrad dann unter falschem Namen in einem Kinderheim eines Klosters in Bad Salzuflen.

Dank der Kontakte des katholischen Vaters zur Caritas gelang es, die Mutter aus den Fängen der Gestapo zu befreien, die anschließend unter falschem Namen bei Bauern in der Nähe von Bad Salzuflen unterkam. Sie gab sich als polnische Arbeiterin aus und zog von Hof zu Hof, starb allerdings nur wenige Jahre nach Kriegsende, 1948, an einem schweren Herzleiden. Bereits 1946 hatte die junge Edith erfahren müssen, dass ihre Verwandten nach Sobibor und Belzec deportiert und dort getötet worden waren.

Edith Conrad fehlt als Zeitzeuge, als Mensch, der sich stets mit Engagement, Neugierde und kritischem Blick für vieles eingesetzt hat. Da sind sich alle Anwesenden bei der Gedenkfeier einig. Denn Edith Conrad war nicht nur in verschiedenen jüdischen Projekten und Vereinen sowie lokalpolitisch (SPD und anschließend UDS) aktiv, sie war jahrzehntelang im Vorstand der Volkshochschule, Lehrerin an verschiedenen Schulen, im VSG, hat den Landesverband für Legastheniker mitgegründet und saß im Vorstand der Muskelkranken in Hessen. Für ihr Wirken wurde sie mit dem Landesehrenbrief ausgezeichnet.

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Aus der Offenbach Post vom 24.05.2011:
Es ist und bleibt eine Schikane

Dietzenbach – Edith Conrad steckt in der Schikane in der Limesstraße fest. Sie kommt nicht vorwärts und nicht rückwärts. Aus ihrem Auto aussteigen kann sie ebenfalls nicht, da Betonpalisaden die Türen auf beiden Seiten blockieren. Von Domenico Sciurti

„Ich bin dann so lange mit dem Auto vor und zurückrangiert, bis ich mich befreien konnte“, erinnert sie sich mit Grausen.

Für die Freiheit musste Conrad allerdings einen größeren Sachschaden an ihrem Fahrzeug in Kauf nehmen; „die Kühlerhaube und die ganze rechte Seite sind total verbeult“, ergänzt sie. Die Leiterin eines pädagogischen Instituts kam gerade vom Einkauf zurück, als sie in besagte Straße einbog und mit der rechten Seite ihres Autos die berühmt-berüchtigte Verengung rammte.

Auch Angelika Ostwald hatte leidliche Erfahrung mit der Schikane gesammelt, die Lastwagen aus dem Wohngebiet heraushalten soll: Im November streifte sie ebenfalls beim Abbiegen die Anlage (wir berichteten). Mehr als 3000 Euro Schaden entstanden dadurch. Die Versicherung übernahm zwar die Kosten, eine Selbstbeteiligung musste die fünffache Mutter dennoch zahlen, zudem wurde ihr Beitrag hochgestuft.

„Uns erreichen nur selten Meldungen über Unfälle an dieser Stelle“, sagt Harry Keckeis, stellvertretender Dienststellenleiter der örtlichen Polizeistation. Gerade so genannte Schrammer melden oftmals gar nichts. In der vergangenen Woche kam allerdings ein Rettungswagen zu Schaden. „Der blieb mit dem Trittbrett in der Verengung hängen“, berichtet Keckeis. Der Wagen sei gerade von einem Einsatz zurückgekommen.

Die Straßenverengung in der Limesstraße ist Conrad schon lange ein Dorn im Auge; seitdem die Leitplanken gegen Betonpalisaden getauscht und die ganze Anlage um ein kleines Stück versetzt wurde. Vielen falle es schwer, da durchzufahren. Eine besondere Herausforderung sei das Einbiegen von der Seite. Dass die 2,40 Meter breite Öffnung den gesetzlichen Vorgaben entspricht, ist für Edith Conrad nur ein schwacher Trost, faktisch sei dort ständig etwas los; viele Nachbarn beklagten sich ebenfalls über Schäden an ihren Autos, die an dieser Stelle entstanden seien.

Noch als UDS-Stadtverordnete hatte Conrad zweimal versucht, die Verengung „publikumsfreundlicher“ zu gestalten – ohne Erfolg: „Mir wurde von den lieben Kollegen gesagt, ich solle den Führerschein machen.“ Nach dem aktuellen Unfall versuchte sie es auf juristischem Weg. Doch das Vorhaben scheiterte schon beim Anwalt: „Er sieht keine Möglichkeit, gegen die Stadt zu klagen“, sagt Edith Conrad.

„Die Notwendigkeit, an der Schikane etwas zu ändern, sieht der zuständige Fachbereich nicht“, erklärt Detlev Kindel von der Stadtmarketing-Agentur. Das Bauwerk sei im Herbst 2010 den gesetzlichen Normen getreu errichtet worden. „Streng genommen, begehen Personen sogar Unfallflucht, wenn sie städtisches Gut beschädigen und das nicht melden“, so Kindel. Man wisse zwar, dass die Kreuzung eine Problemzone sei. Wer aber genau die Unfälle verursache, wisse man nicht: „Offiziell meldet es ja niemand.“

Die Aussichten für Conrad stehen also nicht gut. Wie hoch der Schaden an ihrem Wagen ist, das prüft gerade ein Sachverständiger. „Sicherlich über 3000 Euro“, schätzt sie. „Eine Frau im Autohaus sagte mir, ich soll mir überlegen, ob sich die Reparatur überhaupt noch lohnt.“ Denn der Fiat Punto sei mittlerweile zehn Jahre alt.

Aufgeben will Conrad dennoch nicht, sie erwägt nun die Gründung einer Bürgerinitiative. „Man muss doch verhindern, dass noch mehr Autos zu Schaden kommen und der kleine Bürger die Kosten tragen muss.“

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https://www.op-online.de/region/dietzenbach/bleibt-eine-schikane-1255910.html

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